farbe fühlt sich gut an / konzept

Nach eingängiger Beschäftigung mit der Farbenlehre und der textilen Kunst bildeten sich Merkmale für die Entwicklung meines künstlerischen Konzepts heraus.

 

Ich entschloss mich dazu, als Ansatzpunkt das Farbordnungssystem, eine Grundlage der Farbenlehre, zu verwenden. Philipp Otto Runge erkannte 1810 mit seiner von ihm entwickelten Farbenkugel als erster die Wichtigkeit der Dreidimensionalität in den Farbordnungssystemen. Die Erkenntnis der Räumlichkeit bildet die Verbindung zum Textilen in meinem Konzept, da es mein Anspruch ist, textile dreidimensionale Objekte entstehen zu lassen. Mein Interesse an der textilen Kunst gilt besonders dem Faktor der taktilen Wahrnehmung, zudem aber auch den Eigenschaften, welche dem Material eigen sind. Somit eignen sich dreidimensionale Objekte für die praktische Umsetzung meiner Vorstellungen am besten.

 

Die meinem Konzept zu Grunde liegende Idee ist es, die Abstufungen der Farben durch das der Dreidimensionalität eigene Element der Höhe darzustellen. In einfachster Form lässt sich die Höhe auf den Graustufenbereich übertragen und anwenden. So wird Schwarz mit 100 Prozent des Farbtons und Weiß mit 0 Prozent bezeichnet. Mittelgrau stellt demnach 50 Prozent dar.

 

Damit die Höhe nicht beliebig ist, wurde von mir ein System zur Anwendung entwickelt welches darauf beruht, die Farbenkugel mit der Geografie zu verbinden. Die Oberfläche unserer Welt ist nicht eben. Es gibt Erhebungen und Vertiefungen. Besonders hohe Erhebungen sind die Berge, die tiefsten Stellen finden sich im Meer. Als Nullpunkt gilt der Meeresspiegel. Alle Erhebungen und Vertiefungen werden mit „Meter über beziehungsweise Meter unter dem Meeresspiegel“ bezeichnet.

Philipp Otto Runge bediente sich der Begrifflichkeiten der Geografie, um seine Farbenkugel verständlich zu machen. Die Farbenkugel wird bei Runge dem Erdball gleichgesetzt. Die Äquatorebene bildet den Farbkreis. Der Nordpol steht für das reine Weiß und der Südpol für das reine Schwarz. Die Erdachse bildet die Grauabstufungen. Innerhalb dieser Parameter werden die Farben gemischt. In meinem System wird die Farbenkugel jedoch nicht mit dem Erdball gleichgesetzt. Sie wird vielmehr in verkleinerter Form auf den Erdball gesetzt und mit ihr zusammengefügt. Der Äquator der Farbenkugel (der Farbkreis) stellt die Meeresspiegelebene des Erdballs dar und somit den Schnittpunkt beider Kugeln. Die untere hälfte der Farbenkugel befindet sich unterhalb des Meeresspiegels und die obere Hälfte der Farbenkugel befindet sich über dem Meeresspiegel.

Durch das entwickelte System entsteht eine Verbindung zwischen Geografie und Farbenlehre.

Das Gebiet, welches in der Umsetzung ausgewählt wurde, dient meinem Konzept als Beispiel. Generell lässt sich die Methode erweitern und verlagern. Verändert man die Parameter, kann eine ganz neue Ordnung der Farben im System erfolgen. So ist man nicht gezwungen die höchste Erhebung der Erde und tiefste Stelle im Meer stellvertretend für Weiß und Schwarz zu verwenden, sondern kann die Methode auch auf alle Bauwerke der Welt anwenden oder sogar nur auf ein einzelnes, wie beispielsweise das römische Kolosseum. Jedoch sollte für solche Anwendungen die jeweilige Tauglichkeit der gewählten Gestalt geprüft werden.